Mittelalter

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Den Beginn meiner “Infizierung mit dem Mittelalter-Virus” kann ich nur so ungefähr datieren. Es gibt Dias vom Besuch des “Mittelalterlich Spectaculums” in Rastede aus dem Jahre 1998. Wahrscheinlich war es 1997, oder noch etwas früher, dass ich während einer Motorrad-Tour in Rotenburg/Wümme das erste Mal zufällig auf einem Mittelalter-Markt gelandet bin. Ich weiß noch, dass ich am Eingang “merkwürdig mittelalterlich” begrüßt wurde (“Ah, ein edler Recke im ledernen Beinkleid! Wohlan, so tretet nun ein.” oder so ähnlich). Nebenbei durften alle Kinder “unter Schwertmaß” ohne Eintritt hinein. Auf dem Markt selber ging es dann so weiter (“Was ist euer Begehr? Euren Wunsch von den Lippen will ich euch ablesen.” und so weiter. So etwas hatte ich bislang noch nicht erlebt. Und ich fand’s toll !!!

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Bei dem Besuch des Spectaculums 1998 fiel uns nebenbei auf, dass auch einige Besucher mit mittelalterlichen Attributen ausgestattet waren. Hier ein Schwert um die Hüfte gebunden, dort eine ganze Mönchskutte angezogen. Manche trugen auch der mittelalterlichen Mode nachempfundene Schuhe. Das fanden wir soweit ganz lustig, für uns aber noch nicht weiter erwägenswert.

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Fünf Jahre später hatte sich das geändert: Nach dem Spectaclum 2003 in Rastede wollten wir es dann selber auch einmal ausprobieren. Während kürzester Zeit wurde eine “Mittelalter-Grundausstattung” gefertigt: Hemd, Hose, Kleid. Noch ohne Gürtel, Schuhe und weiteres Zubehör, wagten wir uns zu den “Mittelalterlichen Ritterspielen in Wildeshausen” (die dort wegen eines übereifrigen Ordnungsamtes nie wieder stattfanden). Hier kamen wir als “gewandete Gäste” überraschenderweise zum halben Preis rein. Und auch sonst empfanden wir uns plötzlich ein wenig mehr “mitten drin als nur dabei”! Hier gab es für meine Frau die ersten einfachen Schuhe, und für mich einen Gürtel. Das war der Einstand …

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Seitdem sind wir eigentlich jedes Jahr – immer ein wenig besser ausstaffiert, und weiterhin nur als Gäste – auf den nahegelegeneren Märkten mit dabei. Allerdings sind wir definitiv keine “Hardcore-Aktivisten”! Wenn’s Wetter nicht so prickeld ist, gehen wir lieber anderen Beschäftigungen nach. Für uns gibt es eigentlich nur “Schönwetter-Mittelalter”. Eintauchen und genießen! Achja, und die Musik habe ich noch gar nicht erwähnt …

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Bis ich sie zum ersten mal hörte, wußte ich einfach nicht, dass es soetwas überhaupt gibt: Mittelalterlich angehauchte Live-Musik die richtig rockt! Hört sich merkwürdig an, ist aber so! Auf den größeren Veranstaltungen der Spectaculum-Reihe treten regelmäßig Bands auf, die eine echte Fan-Gemeinde mitbringen und zu sechst, zu siebt, oder mit noch mehr Musikern eine wirklich “heftige” Musik machen. Mittlerweile treten diese Gruppen auch außerhalb der Mittelaltermärkte in Hallen auf, und sind dermaßen erfolgreich, dass sie von den Eintritten und CD-Verkäufen leben können.

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Das Publikum auf den größeren MA-Veranstaltungen hat sich über die Jahre deutlich verändert. Neben den “normalen” Besuchern gibt es eine ganze Reihe von unterschiedlichen Leuten, die hier anzutreffen sind. Menschen aus der Gothic-Ecke (“Grufties”) waren hier schon früh immer häufiger anzutreffen. Sie beleben das Gesamtbild ungemein. Daneben gibt es die LARPs (Live Action Roll Play), also die Leute die als Elben, Waldläufer, usw. fantasievoll ausstaffiert sind, und ihre virtuellen Rollenspiel-Charaktere in die Realität geholt haben, und Menschen, die z.B. als Musketiere gekleidet nicht mehr wirklich ins Mittelalter gehören … Achja, vor ein paar Wochen in Bückeburg saß ich unvermittelt neben Captain Jack Sparrow aus “Fluch der Karibik”! Von den Muscheln im Haar bis zu braunen Kontaktlinsen “echt” bis ins letzte Knopfloch seines Piraten-Kostüms! Er hat dann verdientermaßen auch einen Wettbewerb um die beste Gewandung gewonnen (den es seit Kurzem erst gibt). Den Veränderungen folgend, haben die Veranstalter der größten Reihe jüngst die Konsequenz gezogen: Statt einfach nur “Mittelalterlich Spectaculum” heißt es jetzt folgerichtig “Mittelalterlich Phantasie Spectaculum”.

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Außer der eben genannten Reihe gibt es aber noch mehr. Die “Fogelvreien” z.B. bestreiten eine ganz Reihe von kleineren Märkten. Teils in Eigenregie, teils von den verschiedenen Kommunen beauftragt für irgendwelche Stadt- und Burgfeste, Markt-Jubiläen, usw. Da ich grundsätzlich darauf verzichten möchte, irgendwelche Links zu anderen Seiten zu setzen, kann ich nur empfehlen bei Interesse im Internet zu suchen. Entweder allgemein, oder schaut mal auf die Seiten der Städte und Gemeinden in der Nachbarschaft (im Norden z.B.: Bad Bederkesa, Vechta, Hoya, Rastede, Hamburg-Öjendorf, Bückeburg).

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Allen großen und mittelgroßen Veranstaltungen ist übrigens gemein, dass dort allerlei private Interessensgruppen das “Heerlager” und das übrige Ambiente gestalten.

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Insgesamt gäbe es noch einiges Weitere zu diesem Thema zu berichten! Falls das Interesse geweckt sein sollte so etwas auch einmal zu erleben, würde ich vorschlagen, an einem schönen Samstagabend die Spectaculum-Reihe zu besuchen, und auf jeden Fall bis in den späteren Abend zu bleiben …